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Info-Brief

Weberzipfel 1

83512 Wasserburg a. Inn

Tel. 08071/95269

www.weltladen-wasserburg.de

geöffnet:

D u r c h g e h e n d

Montag – Freitag: 09.30 – 18.30 Uhr

Samstag: 09.30 – 15.00 Uhr

Für KundInnen und MitarbeiterInnen

Ausgabe 2010-2

Weltdekade der Vereinten Nationen 2005 - 2014:

"Bildung für nachhaltige Entwicklung"

mehr dazu siehe Seite 2


 

Vorwort der Redaktion

Liebe Leserinnen und Leser,

Auf unserer Mitgliederversammlung berichteten Verkäuferinnen von Kindern, die am Schokoprojekt teilgenommen hatten und nun neu bei uns einkauften und von Müttern, die erzählten, dass ihre Kinder sie in den Weltladen zum einkaufen geschickt hätten.

Wenn das kein nachhaltiger Lernerfolg ist!

Auch der Verlauf der Mitgliederversammlung mit den von Stefan Huber und Peter Kammerl vermeldeten positiven Zahlen und die allgemein frohe Stimmung der Beteiligten geben uns Anlaß, das neue Jahr mit positivem Elan und Optimismus anzugehen.

In diesem Sinne wünschen wir unseren Leserinnen und Lesern eine wirklich gute Zeit.

Annette Wodraschke, Roswitha Betz-Heindl, Peter Kammerl, Jochen Schreiber

 

"Bildung für nachhaltige Entwicklung"

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein Bildungskonzept, das Kindern und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln vermittelt. Denn wir müssen lernen: Mein heutiges Handeln hat Einfluss auf das Leben meiner Kinder und auf das Leben von Menschen in anderen Weltregionen. Mit der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (2005-2014) haben sich die Staaten der Vereinten Nationen verpflichtet, dieses Bildungskonzept zu stärken.

www.bne-portal.de

www.globaleslernen.de

www.eineweltnetzbayern.de/globaleslernen/

www.dekade-bayern.de/

Impressum

Herausgeber: Initiative Eine Welt e.V., V.i.S.d.P. Peter Kammerl, Nummer 7, 83533 Brandstätt

Die nächste Ausgabe erscheint im Frühjahr 2011.

Auflage: 250 Stück

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht automatisch die Meinung des Verantwortlichen wieder.


 

Personalien

Textfeld:    Jochen gratuliert dem Brautpaar im Namen des Weltladens. Dieses freut sich.  Herzlich willkommen in unserem Kreis heißen wir Christin Jahn, die seit September als neue Verkäuferin bei uns mitarbeitet. Christin hat schon Einblick in die Weltladenarbeit, sie war in diesem Jahr bereits beim Schokoprojekt mit von der Partie.

Verlassen hat den Arbeitskreis Einkauf Angela Kühn, eine der Mitarbeiterinnen der ersten Stunde. Angela hatte sich viele Jahre um den Einkauf von Handwerkswaren gekümmert. Immer war sie auf der Suche nach Neuem und Interessantem, das die Kunden in den Weltladen locken könnte. Angela, wir danken dir für die langjährige ehrenamtliche Mitarbeit beim Wasserburger Weltladen und freuen uns, dass du uns für besondere Aktionen weiterhin zur Verfügung stehen willst.

Am Samstag, den 9.Oktober 2010 wurden unser Vorsitzender Peter Kammerl und seine Braut Bärbel Schmid getraut. Wir freuen uns sehr mit dem jungen Paar und wünschen ihnen von Herzen alles Gute für ihr gemeinsames Leben.

Roswitha Betz-Heindl

 

 

 

 

Waren, die Waren waren und die es neu werden:

Produkte Raus und Rein

Auch in der zweiten Hälfte des Jahres gibt es neue Waren im Sortiment und Produkte, die aus dem Sortiment genommen wurden.

Neue Produkte

Aus dem Sortiment genommene Produkte

Indien Bio Kaffee

4,00 €

Grüntee Auslese

Café olé Gebäck

2,30 €

Teesiebe

Mango Amelia ohne Zucker

2,80 €

Kaffee im Eimer

Solombra Wein

5,80 €

Trauben-Nuss-Schokolade

Quinitos, Snacks mit Zwiebel und Knoblauch

1,80 €

Waffelblätter

Kokosraspel

1,50 €

Frucht-Tee-Getränk

Mango-Balsam-Essig

4,50 €

Chili-Schokolade


 

Verkäufertreffen in der 2. Hälfte des Jahres

Am Dienstag, 6.7.2010 drehte sich beim Verkäufertreffen wieder einmal alles um die Kasse – Kathi erklärte anhand von Beispielen noch einmal alle Funktionen und Schritte, die zu beachten sind.

Textfeld:    Die Unterzeichnung der „Konvention der Weltläden“ ist Voraussetzung für die Mitgliedschaft im Weltladen-Dachverband.  Textfeld:    Renate Stadler demonstriert den staunenden Verkäuferinnen die Wirkungsweise des ATO-TÜVs.

 

Das Treffen am Donnerstag 16.9.2010 fand im Laden statt, weil Renate Stadler, die dieses Treffen vorbereitet hatte, vor Ort viele im Verkauf auftretende Situationen aufzeigte, und diese in interessanten Rollenspielen durchspielen ließ.

Das letzte Treffen am Dienstag, 26.10.2010 beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit dem so genannten ATO-TÜV (Alternative Trade Organisations). Der ATO-TÜV des deutschen Weltladen-Dachverbands erleichtert den Weltläden die Auswahl ihrer Lieferanten, in dem er alle Anbieter einer Bewertung gemäß der Konvention der Weltläden unterzieht (Selbstauskünfte in Form eines Fragebogens mit über 50 Fragen). Die Selbstauskunft und die Bewertung durch den Dachverband wird im alle zwei Jahre aktualisierten ATO-TÜV veröffentlicht.

Das letzte Verkäufertreffen dieses Jahres findet am Donnerstag, den 9. Dezember 2010 statt.

An dieser Stelle soll wieder einmal darauf hingewiesen werden, dass die Verkäufertreffen für alle VerkäuferInnen wichtig sind; dabei werden Themen, mit denen man im Ladenverkauf immer wieder konfrontiert ist, angesprochen: Neuerungen werden eingeführt, man kann Probleme erörtern und erhält Hilfestellung. Allein auf das Protokoll des Treffens sollte man sich nicht verlassen, da es oft nur stichpunktartig wiedergibt, was besprochen wurde.

Nicht zuletzt sorgen die MitarbeiterInnen des Einkaufs immer dafür, dass wir interessante Produkte probieren können. Verkäufertreffen sind nicht nur informativ und wichtig, sie machen auch Spaß!

Roswitha Betz-Heindl

Zum weiterlesen:

www.ato-tuev.de

www.weltladen.de


 

Arbeitskreis Einkauf

Im letzten Infobrief stellten wir unseren Lesern den neuen Arbeitskreis Einkauf vor. Heute wollen wir darüber informieren, welche Mitarbeiterinnen des Ak Einkauf für welche Handelspartner zuständig sind.

Ruth Schumann

Lebensmittel von GEPA und el puente

Maria Rost

Kaffee Indigena, getrocknete Bananen und Ananas von Kipepeo, Handwerkswaren von Akar und die Sympathiemagazine

Carla Ackermann

Schmuck und Wiphala Strickwaren

Kathi Pichler

Putomayo Musik CDs

Christa Seidl

Handwerkswaren von GEPA und el puente

Renate Stadler

Bananen von BanaFair

Carla Ackermann

Strickwaren von Wiphala

Ilse Schuhbeck

Blechautos von Mahafaly

 

 

 

Finanzen

Umsatz 2010 etwas leicht über den Vergleichszahlen von 2009

Textfeld:    Der Umsatz 2010 ist immer noch über dem von 2009. Hoffen wir, dass es bis zum Jahresende dabei bleibt.

Seit letztem Jahr können wir die Umsätze während des laufenden Jahres vergleichen. Woche für Woche wertet Kathi Pichler die Umsätze für die abgelaufene Woche aus. Der Vergleich der Zeitreihen ist etwas unspektakulär. Die Umsätze entwickeln sich im Wochenvergleich fast identisch. Bloß, dass der Umsatz in 2010 immer etwas höher ist als in 2009. Seit Ende September steigt der Umsatz sichtbar an. In dem Zeitraum bis Mitte November haben wir pro Woche zwischen 1.300 Euro bis 1.800 Euro Umsatz. Das lässt einen Netto-Verkaufsumsatz von 80.000 Euro für das laufende Jahr erwarten.

Peter Kammerl


 

Man denkt, man kommt nach Hause

Monika Stöckl fühlt sich seit ihrer Jugend mit Bolivien eng verbunden

Textfeld:    Alpakas leben auf dem Hochland in Bolivien. Von ihnen stammt die Wolle für die strickenden Frauen  Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Kind habe sie schon Ponchos und Alpaka Mützen getragen, die der Onkel als Braumeister in Bolivien ab 1963 immer mit in die bayerische Heimat brachte, erzählt uns Monika Stöckl, die gerade auf Heimaturlaub ist, bevor sie im November wieder in ihre Wohnung im „Haus der strickenden Frauen“ in El Alto (Bolivien) zurückkehrt. Die Begeisterung für Südamerika hatte sie schon damals angesteckt und die ist bis heute nur noch stärker geworden hat man den Eindruck, wenn man ihr gegenüber sitzt. Sie ist eine von zwei Direktorinnen von „Uthan Phirtisis – Fundación Comunidad Educativa Wiphala“ im Weltladen besser bekannt als das „Haus der strickenden Frauen“, oder kurz „Wiphala“. Zwanzig fleißige Bolivianerinnen produzieren dort die wunderschönen Alpaka-Stricksachen, die der Wasserburger Weltladen seit 2004 erfolgreich verkauft.

Monika Stöckl hat das Projekt Wiphala, zuerst als eine Anlaufstelle für arbeitende Kinder und Jugendliche, vor acht Jahren nach dem Studium zur Sozialpädagogin mit Bolivianerinnen gegründet. In Deutschland wird Wiphala vom Verein Internationale Kinder- und Jugendhilfe Wasserburg e.V. betreut.

Zum Projekt „Wiphala“ kommen rund fünfzig Teilnehmer. Nichts ist gratis, die Projektbesucher leisten zu allem einen symbolischen Beitrag. Die Mitarbeiter suchen rund um die Plaza Ballivian bei der Straßenarbeit die arbeitenden Kinder auf und machen sie mit dem Projekt bekannt. Sie bieten ihnen in der Woche täglich eine warme Mahlzeit, nachmittags Tee und Brötchen. Außerdem bieten sie medizinische Versorgung, Hausaufgabenbetreuung und halten den Kontakt zu Schulen und Eltern.

Es gibt Workshops zu wichtigen Themen wie z.B. Aids-Prävention. Auf dem Programm stehen Wanderungen, Fußballspiele und andere Aktivitäten. Es besteht die Möglichkeit zu einer Ausbildung bzw. zu einem Studium. In den projekteigenen Werkstätten finden außerdem Ausbildungskurse statt

Seit fünf Jahren, d.h. seit ihrer Gründung, betreut Monika Stöckl auch die Strickgruppe. Die Idee dazu hatte die bolivianische Psychologin Denise, eine Mitarbeiterin von Monika.

Es ist Monika Stöckl sehr wichtig zu betonen, dass sich an diesem Projekt niemand bereichert. Nachdem sie anfänglich ehrenamtlich tätig war, ist sie seit März 2008 beim deutschen Verein angestellt. Um die Ware in Deutschland verkaufen zu können, hat der deutsche Verein einen Geschäftsbetrieb angemeldet.

Sie betont, dass sie zwar nicht zertifiziert seien, also kein Fair Handels Siegel haben, aber dass sie die Weltläden regelmäßig besucht und dort Rede und Antwort steht:“Das ist doch besser als ein Siegel!“ Außerdem hat sie bisher die Ausgaben und den Papierkrieg gescheut, der mit einem Siegel verbunden ist.

Wir werden professioneller

Textfeld:    Die strickenden Frauen zeichnen ihre Muster selbst.  Das Strickprojekt hat sie mit den Müttern der damaligen Projektbesucher entwickelt. Die Psychologin wollte mit den Müttern in Kontakt kommen, um sie in die pädagogische Arbeit einzubinden. Da die Frauen, die sich meist alleine um das Familieneinkommen kümmern, kaum Zeit haben, entstand die Idee, bei den Versammlungen zu stricken und die Ware in Deutschland zu verkaufen, d.h. damit Geld zu verdienen – etwas, was nie geplant war.

“Ich hatte spontan versprochen, dass die Ware verkauft wird, aber ich hatte ja keine Ahnung, worauf man achten musste. Zuerst war die Qualität so schlecht, dass wir in der Familie in Deutschland die Sachen ausgebessert haben. Dann rief Stefan Huber vom Weltladen Wasserburg an, er brauche eine offizielle Rechnung und Steuernummer. Heute zahlen wir ordnungsgemäß Einfuhr-Umsatzsteuer. Wir wurden professioneller.“

Der Name Uthan Phitiris, kommt aus dem Aymara, einer Indiosprache,  übersetzt heißt es: das Haus der strickenden Frauen. Momentan kommen 20 Frauen im Alter von 20 – 74 Jahren.

Zwei Frauen sind seit der Gründung 2004 gestorben, eine an Krebs. Eine hat inzwischen ein Kind bekommen, das sie natürlich mitbringt. Die Chemotherapie und die Behandlung der krebskranken Helena hat sehr viel Geld gekostet, wie Monika Stöckl berichtet.

600 Bolivianos können die Frauen im Monat verdienen, das sind 60 Euro. Heute bekommt eine Frau für ein Paar Handschuhe, die sie an einem Tag fertigstellt, 25 Bolivianos (2.5o Euro) Es sind nur die Spezialistinnen, die Handschuhe stricken, auch die selbstentworfenen Muster erfordern spezielle Handarbeit, und können nur von ihnen gestrickt werden.

Zum Thema Mindestlohn erklärt uns Monika Stöckl: „Einen festen Vertrag haben die Frauen aus verschiedenen Gründen nicht und ein Grund dafür ist, dass ich ihnen dann laut Gesetz den Mindestlohn zahlen müsste, ganz egal wie viele Stunden sie monatlich arbeiten. Es verdienen ja nicht alle Frauen bis zu 600 Bolivianos im Monat sondern nur diejenigen, die viel stricken. Da die Frauen bei uns sehr frei arbeiten können, stricken einige nur ein paar Strickwaren im Monat und werden entsprechend ihrer Handarbeit bezahlt. Das sind dann aber keine 600 Bolivianos.“

Der Verein plant, im kommenden Jahr, in einem schriftlichen Übereinkommen mit den Frauen, Schulungen einzuführen, so dass sie alle professioneller stricken lernen.

Monika Stöckl hat nachfolgende Kriterien zusammengestellt, die als Basis für die Zusammenarbeit mit der Strickgruppe gelten:

Eigenes Kapital

Textfeld:    Die Strickergebnisse und ihre Trägerinnen können sich durchaus sehen lassen.  „Die Frauen verfügen über ein eigenes Kapital, mit dem sie die Wolle einkaufen. Ich steuere immer wieder Spenden bei, um das Kapital aufzustocken. Denn je mehr gestrickt wird, umso mehr Geld wird im vorab benötigt, um die Wolle kaufen zu können. Bei jeder Auszahlung an die Gruppe gehen zusätzlich 20% des Wollgesamtpreises direkt ins Kapital, das somit regelmäßig ansteigt. Sollte das Kapital dennoch nicht ausreichen, leiht der deutsche Verein den Frauen das Geld. IKJH Wasserburg e.V. kommt auch für die Versandkosten auf. Die Bezahlung für die geleistete Handarbeit wird jedes Jahr neu mit den Frauen ausgehandelt und beträgt im Schnitt mehr als 20 % des Preises, den der Weltladen für die Ware bezahlt. Die Frauen erhalten ihr Geld einmal im Monat bei Abgabe der Ware.

 
Erlöse

Mit den „Erlösen“, die wir in Deutschland erzielen, finanzieren wir den Frauen Ausbildungskurse sowie medizinische Leistungen wie die jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung aber auch Medikamente und Operationen. Da nicht alle Produkte von den Weltläden im vorab bestellt werden, Ware verloren geht oder zu lange unterwegs ist, tragen wir das Risiko, dass sich Ware nicht verkaufen lässt.

Farben

Die Frauen arbeiten sehr frei und unabhängig. Gemeinsam erarbeiten wir die neuen Modelle. Die traditionellen Muster und Farbkombinationen werden von den Frauen selbst zusammengestellt. So entstehen viele Unikate.“

Cafe

Auf ihr liebstes Projekt kommen wir am Schluss unseres Gesprächs zu sprechen: ein eigenes Cafe. Es ist ein alter Wunschtraum von ihr, der jetzt über Umwege realisiert werden könnte. Unter dem Motto: Begegnungen hat Studiosus - Reisen das Haus der strickenden Frauen in sein Programm aufgenommen. Die Gäste aus Deutschland lernen das Projekt kennen und werden bewirtet. Zur Zeit dient Monikas Wohnung solange sie in Deutschland ist, als provisorisches Cafe. Der Wunschtraum hat also Aussicht bald verwirklicht zu werden, wenn Monika ihre Wohnung wieder selbst bezieht.

Annette Wodraschke

Zum Weiterlesen: www.ikjh.de


 

Firmlinge am Michaelimarkt

Firmlinge aus Pfaffing unterstützen den Fairen Handel und lernen etwas dabei

Textfeld:    Wer kann diesem Fairen Handel widerstehen?

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie viele Wasserburger Geschäfte beteiligte sich auch der Wasserburger Weltladen am Michaelimarkt am Sonntag, den 26.September 2010.

Aber Verkauf ist nicht gleich Verkauf. Wir nutzen die Gelegenheit, das spezielle Anliegen des „Fairen Handelns“ nicht aus den Augen zu verlieren.

Textfeld:    Globales Lernen beginnt im Weltladen.  Neun Firmlinge aus Pfaffing absolvierten am Marktstand ihre soziale Aktion in der Vorbereitung zur Firmung. Sie schenkten am Stand Tee aus oder mischten sich mit einem Bauchladen unter die Besucher, boten Kostproben an und erklärten denen, die es noch nicht wussten, was ein Weltladen ist. Das hatten sie selber einige Tage vorher in einer Kurzschulung von Weltladen-Vorstand Peter Kammerl erfahren. Die jungen Leute können sich in ihrem Firmjahr innerhalb einer Reihe von sozialen Projekten aussuchen, wo sie für einige Stunden oder auch Tage mitarbeiten wollen. Eines dieser Projekte ist der Faire Handel.

 

 

 

 

Textfeld:    unsere neuen Werbeträger

 

 

 

 

Für die Aktiven des Wasserburger Weltladens war der Michaelimarkt zusätzlich noch eine Gelegenheit, auf die deutschlandweit vom 13. – 26.September 2010 stattfindende „Faire Woche“ hinzuweisen. In diesen jährlichen Aktionswochen geht der Faire Handel mit seinen Produkten an die Öffentlichkeit und wirbt in vielfacher Weise für seine Idee des partnerschaftlichen Handelns mit den armen Ländern der Erde.

Und schließlich und endlich ist der Marktsonntag eine gute Gelegenheit, unsere neuen Schürzen zu verwenden.

Peter Kammerl


 

Ladentreffen in Bruckmühl

Keine rosige Stimmung beim Treffen der Weltläden

Textfeld:    Mitarbeiterinnen der Weltläden tauschen sich aus.

Es ist eine gut eingespielte Tradition, dass sich die Weltläden aus der Region zum Erfahrungsaustausch, zum Meinungsaustausch und zum Abholen von Neuigkeiten treffen. Dieses Jahr kamen die Läden aus dem Südostbayerischen Raum in Bruckmühl zusammen.

Faire Woche

Kurz vorher ging die Faire Woche, eine deutschlandweite Themenwoche zum Fairen Handel, zu Ende. Sie findet jährlich statt und steht unter der Regie des Dachverbandes der Weltläden.

Wir tauschten uns über unsere Erfahrungen aus. Insgesamt waren die Läden eher unzufrieden mit dem Thema, mit dem Zeitpunkt und mit dem Material. Bruckmühl konnte mit einer Gastronomin vereinbaren, dass sie in der Fairen Woche eine eigene, faire, Speise- und Weinkarte anbot. Ansonsten taten sich die Läden eher schwer in dem Versuch, Gastronomen dauerhaft für fair gehandelte Produkte zu interessieren. Man war sich einig, dass dauerhafte Geschäftsbeziehungen zu lokalen Gastronomen den Umsatz steigern würden. Allerdings verkaufen sich die Produkte nicht von selbst. Es bedarf ständiger Begleitung.

Was unsere Erkenntnisse zur Fairen Woche 2010 anging, so wurde vereinbart, eine gemeinsame Rückmeldung an den Dachverband zu schicken. Der Weltladen Bruckmühl hat das übernommen.

Fairer Kaffee bei Kirchen-Festen

Wie es so geht, so kommt man beim plaudern auf das eine und das andere. Festzuhalten sei die Erkenntnis: Auch wenn Weltläden oft ihren Ursprung in Kirchengemeinden haben, ist es fast unmöglich, die übrigen Aktiven in der Kirchengemeinde für den Konsum von fair gehandelter Ware zu interessieren. Der größte Frust entsteht bei der Verwendung von Kaffee. In die Entscheidungskriterien mancher Einkäuferinnen bei Pfarrfest oder Pfarrheimküche spielt der Faire Handel gar keine Rolle. Sie zeigen sich bevorzugt themenresistent.

Weltladen-Dachverband

Ein weiteres längeres Thema war die Mitgliedschaft im Dachverband der Weltläden. Wir hielten es schon für sinnvoll, wenn viele Läden dabei Mitglied wären. Er garantiert für das eigene Profil der Weltläden im Konzert der Akteure des Fairen Handels. Wir meinten, je mehr Läden dabei Mitglied sind, umso niedriger kann der Jahresbeitrag sein. Im umgekehrten Fall ist der Beitrag vielen Läden zu hoch. Dazu kommt das Manko, dass aus dem südostbayerischen Raum kaum Läden zu den Mitgliederversammlungen fahren und sich an den internen Diskussionen nicht beteiligen.


 

Neues vom Fair Handelshaus Bayern

Textfeld:    Sabine Amme vom Fair Handelshaus Bayern stellt neue Produkte vor.  Im dritten Teil berichtete Sabine Amme vom Fair Handelshaus über neueste Entwicklungen. Besonders interessant war die Nachricht, dass die gepa die Vertriebsmöglichkeiten des Lebensmitteleinzelhandels überschätzt hat. Die gepa ist zu der Erkenntnis gekommen, dass die Basis des Verkaufs bei den Weltläden liegt.

Im Auf und Ab der Lebensmittelpreise, das derzeit zu beobachten ist, und von dem unsere Produkte ebenso betroffen sind, sieht Sabine Amme schon den Anfang von vermehrter Spekulation mit Lebensmitteln. Eine große amerikanische Kaffeehaus Kette hat beispielsweise 80 % des fair gehandelten Kaffees aufgekauft.

Solche Ladentreffen sind eine gute Bestätigung dafür, dass man nicht allein im Fairen Handel arbeitet, sondern dass die Fair-Handelsbewegung schon ganz schön stabil ist. Es ist neben dem Arbeiten an Themen, die alle betreffen auch schön, mit all den netten Leuten aus den anderen Läden von Zeit zu Zeit zusammen zu kommen.

Zum nächsten Treffen hat der Weltladen Mitterfelden bei Freilassing eingeladen.

Peter Kammerl

 

Textfeld:    Beatriz Martinez Espinosa aus Mexiko.  Erstaunliche Neuigkeiten aus Mexiko

Für manche von uns war es eine freudige Überraschung, als sich im Sommer unsere ehemalige Praktikantin Betty aus Mexiko bei uns angekündigt hat. Betty war vor 6 Jahren ein gutes halbes Jahr im Weltladen aktiv, und bei uns Weltladenleuten und in Wasserburg selbst gut bekannt.

Momentan absolviert sie in Puebla in Mexiko ein Wirtschaftsaufbaustudium. In diesem Rahmen hält sie Vorträge in abgelegenen Gebieten Lateinamerikas, und unterrichtet kleine Produzenten in volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen. Ziel ist, diese in die Lage zu versetzen, Produkte für den Weltmarkt herzustellen und sie zu vermarkten.

Im Rahmen einer kleinen Vortragsreise durch Europa war sie Ende Juli in Wasserburg. Einige von uns konnten die Gelegenheit nutzen, sie zu treffen und sich den Vortrag zum Thema „Internationaler Handel“ anzuhören und mit ihr zu diskutieren. Erstaunlicherweise zieht die Wirtschaftswissenschaft den Schluss aus dem Vergleich der Wirklichkeit mit der Theorie, dass die Liberalisierung der Märkte nicht mehr Wohlstand gebracht hat. Im Gegenteil, die Reichen sind noch reicher und die Armen noch ärmer geworden.

Jetzt kann man gespannt sein, wie lange es dauern wird, bis daraus eine andere Wirtschaftspolitik wird.

Betty ist inzwischen wieder wohlbehalten in Mexiko angekommen und setzt ihr Studium fort.

Peter Kammerl


 

Reis im Wasserburger Weltladen

Hom Mali heißt „Weiße Blume“. So wird der Duftreis aus dem Nordosten Thailands genannt.

Wir führen zwei Sorten:

Hom Mali, weißer geschliffener Langkornreis

500 g

2,50 €

Hom Mali, ungeschliffener Langkorn-Naturreis

500 g

2,50 €

Eine weitere Sorte ist der indische

Bio Basmati Reis, teilgeschliffener Langkornreis

500 g

3,00 €

Alle drei Sorten, die im Wasserburger Weltladen angeboten werden sind von der GEPA, unserem größten Handelspartner importiert und sind selbstverständlich in Bioqualität und ohne Einsatz von Gentechnik hergestellt.

Rezept

Fisch in Honig-Orangen-Soße mit Hom Mali-Reis

Das Fischfilet, zum Beispiel Forelle,

mit dem Saft zweier Orangen, einem Kaffeelöffel Honig,

ein bis zwei Knoblauchzehen und einer Prise Salz

10 bis 15 Minuten dünsten.

 

Textfeld:

Danach sieben Esslöffel Crème fraiche (oder Kokosmilch-Crème),

einen Esslöffel Sojasoße und Basilikumblätter (oder Petersilie)

zufügen.

 

Noch weitere fünf Minuten kochen lassen,

dann zusammen mit dem Hom Mali-Reis servieren.

Roswitha Betz-Heindl


 

Globales Lernen

Fairer Handel Bayern macht „Runden Tisch“

Der „Runde Tisch“, zu dem Alexander Fonari vom EineWeltNetzwerk Bayern am 15.Juli geladen hatte, war genau genommen ziemlich länglich, doch gar nicht so – dank seiner souveränen Leitung – die Sitzung: die gelang recht kurzweilig, flott und dicht, eine runde Sache.

Halbjährlich finden seit 2004 solche Treffen statt. Dieses Mal (wie oft) im Nürnberger „Fenster zur Welt“, doch erstmals mit Beteiligung des Wasserburger Weltladens.

Wir waren von den Veranstaltern nämlich gebeten worden, der Versammlung unser „Schoko-Projekt“ (vgl. Info-Brief 2010-1) vorzustellen.

Textfeld:  So zeigten denn meine Frau und ich einige Powerpoint-Folien über die pädagogischen Ziele und Methoden, den Ablauf und das Publikum unserer Veranstaltungsreihe vom Frühjahr dieses Jahres, recht bunt garniert mit Fotos aus unserer gefälligen Dia-Serie über die Kakao-Produktion in Ghana und das Alltagsleben des kleinen Kwabena daselbst.

Damit zu beeindrucken, war leicht, und gar manche Anwesende erkundigten sich danach, wie sie dergleichen wohl auch in ihren Weltläden veranstalten könnten.

Etwas schwerer taten sich, weil ohne jegliche mediale Unterstützung, die zwei Kolleginnen aus Teublitz (nördlich von Regensburg), die über ihre „Bildungsarbeit im Weltladen - das Modell Teublitz“ sprachen – obwohl sie ja wahrlich Bemerkenswertes zu bieten hatten: In 15 Schulen und insgesamt 60 Klassen haben sie über die Herkunft der Schokolade referiert und noch dazu die Technik des Papierschöpfens in armen Ländern demonstriert – ein hübsches Programm mit offenbar mächtiger Resonanz in abgelegener Region.

Abgesehen von diesen beiden Projektdarstellungen wurden den knapp 25 Anwesenden noch geboten:

·        ein Rückblick auf die 2009 durchgeführte Umfrage unter bayerischen Weltläden über betriebswirtschaftliche Themen (Kurzfassung in www.fairerhandel-bayern.de)

·        ein Überblick über Nachrichten aus Weltläden und deren Regionaltreffen sowie von Eine-Welt-Gruppen und dem gleichnamigen Netzwerk (auch verteilt als sechsseitige Tischvorlage)

·        ein Ausblick auf die Fair-Handels-Messe und den Kongress „Schule – Eine Welt“ (die beide im Juli und in Augsburg stattfanden) und schließlich noch

·        diverse Empfehlungen an die Weltläden wie z.B. die Aufnahme des „Puma-Fußballs“ und der (auch in unserem Laden vertriebenen) „Sympathie-Magazine“ ins Sortiment.

Vier anregende Stunden also, ein angenehmer Kreis, freundlich verpflegt von den Gastgebern der Nürnberger Stadtkirche – ich denke, wir sollten uns öfter an die „Runden Tische“ begeben!

Der nächste wird am 19.01.2011 in Augsburg aufgebaut, der übernächste am 21.07.2011 wieder im Nürnberger „Fenster zur Welt“.

Walter Satzinger


 

Veranstaltungen des EineWeltNetzwerk Bayern

Mitgliederversammlung

Die Mitgliederversammlung des Eine Welt Netzwerk Bayern fand am 16.Oktober in Fürth im Pfarrheim der St.-Michaelskirche statt. Organisiert wurde dieses Treffen vom Eine-Welt-Laden Fürth e.V.

Textfeld:  Als Vertreter der Initiative Eine Welt e.V./Wasserburger Weltladen hatte ich die Reise nach Fürth unternommen, schließlich sind wir wahlberechtigte Mitglieder des Eine Welt Netzwerk Bayern, dessen Einladung wir nach dem 20. März in München heuer zum zweiten Mal gefolgt sind.

Die etwa 35 Anwesenden wählten fünf neue Mitglieder in das nunmehr 111 Mitgliedsgruppen umfassende Eine Welt Netzwerk Bayern. Es sind dies im einzelnen: Weltladen für faires Handeln e.V. (Aschaffenburg), Pro-A-Kids e.V.(Bayreuth), Tukutane e.V., Akademie Caritas Pirckheimer Haus Nürnberg gGmbH und Jesuitenmission Nürnberg.

Frisch gestärkt durch die ausgezeichnete vegetarische Küche der Gastgeber wandten wir uns nachmittags den Infos aus den Gruppen, vorgetragen von den einzelnen Mitgliedern und als Tischvorlage verteilt, zu.

Die Diskussion über die Stiftungssatzung "Bayern-EineWelt" beschloss diese etwa 7stündige Sitzung.

Runder Tisch "Sozial- und Umweltstandards bei Unternehmen"

Am 12. November gab es einen weiteren "Runden Tisch" veranstaltet wie immer vom Eine Welt Netzwerk Bayern, diesmal in Kooperation mit dem Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie und der Hochschule für angewandte Wissenschaften München., unterstützt vom Katholischen Landeskommitee Bayern, Mission Eine Welt und dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft.

Gefördert wurde die Veranstaltung von der Bayerischen Staatskanzlei und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Das Thema und die Auswahl der Vortragsbeiträge waren dem honorigen Kreis der Veranstalter und Förderer angemessen: "Sozial- und Umweltstandards bei Unternehmen". Die Umsetzung des Themas wurde uns fast einhundert Anwesenden durch die Redebeiträge aus den Firmen memo AG, Faber-Castell AG und oekom research AG nahe gebracht.

Zum selben Thema gab es Stellungnahmen von Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK München und Oberbayern, Dr. Christian Mikulla aus dem Bayerischen Umweltministerium und Dr. Rolf Bösinger aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Zur Abrundung des Themas wurde uns sehr interessierten Zuhörern eine " Ideenbörse" geboten. Doris Läer von GTZ, Vivien Führ vom Eine Welt Netzwerk Bayern und Prof. Dr.Dr. Johannes Wallacher der Hochschule für Philosophie forderten und beleuchteten Verhaltenskodizes an Unternehmen.

Mit der Veranstaltung hat das Eine Welt Netzwerk Bayern erneut bewiesen, dass es die dringenden entwicklungspolitischen Themen kompetent an die Öffentlichkeit bringt. Danach kann man sich nur viele weitere "Runde Tische" mit derart brisanten Themen wünschen.

Jochen Schreiber

Rückblick

Nationenfest

Wie immer waren wir auch in diesem Jahr beim Nationenfest am 12. Juni 2010 mit einem kleinen Verkaufsstand dabei.

Im Angebot waren Handwerkswaren und Lebensmittel – und beim Quiz „Wer wird Millionär?“ konnte man zwar nicht selber Millionär werden, aber einen Einblick in die Welthandelstrukturen, die Millionäre hervorbringen, bekommen.

Roswitha Betz-Heindl

Nachgehakt:

Umsetzung des Stadtratsbeschlusses gegen ausbeuterische Kinderarbeit in Wasserburg

Textfeld:    Laut Zertifikat: In diesem Granit steckt keine ausbeuterische Kinderarbeit, kommt aber auch China.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
China liefert Granit

Das Gespräch mit dem Wasserburger Stadtkämmerer Konrad Doser zu diesem Thema brachte die Erkenntnis, dass der Beschluss in der Praxis gut umgesetzt wird und sich die neue Vorgehensweise bewährt hat.

Bei allen Beschaffungsmaßnahmen wird dieser Passus den Ausschreibungen beigefügt und die entsprechende Erklärung der Anbietenden beobachtet. Das heißt, in Wasserburg werden Produkte, die mit ausbeuterischer Kinderarbeit hergestellt wurden, nicht mehr angeboten.

Den selben Sachverhalt bestätigte mir Wasserburgs Stadtbaumeister Herr Förtsch, den ich zu diesem Thema befragte. Gezielt angesprochen auf die im neuen Kreisel am Landschaftsweg verwendeten Materialien gab er mir eine Übersicht über die Entwicklung der Bezugsquellen am Beispiel Granit, einem typischen Produkt, das bis heute in Asien durch ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt wird. Dieses Material wurde früher aus dem Bayerischen Wald bezogen, was sich durch die geringe Entfernung mit niedrigen Transportkosten anbot. Nach der politischen Wende in den 90er Jahren kamen wegen der niedrigeren Löhne Firmen aus Tschechien zum Zug.

Heute liefert fast ausschließlich China den Granit. Den Nachteil wegen der weiten Entfernung und damit hohen Transportkosten gleichen die Firmen dadurch aus, dass dieses schwere Material mit Schiffen zum Nulltarif transportiert wird. Das wird erreicht, da in den Schiffsrümpfen statt Wasser für die Stabilisierung Granit verwendet wird.

Man kann sich schon fragen, ob das Gebot der Wirtschaftlichkeit bei der Ausschreibung von Städtischen Baumaterialien einziges Kriterium bei der Auftragserteilung sein soll. Es ist auch zu hinterfragen, wer uns garantiert, dass die vorgelegten Zertifikate glaubwürdig sind. Ob es in China keine ausbeuterische Kinderarbeit gibt, ist bis heute nicht geklärt und wird es bei der politischen Lage wohl vorerst auch so bleiben.

Jochen Schreiber


 

Die stabilste Währung der Welt

Warum eine Tafel Schokolade nicht mehr als einen €uro kostet

Textfeld:  Großvater und Enkel unterhalten sich über Schokolade und stellen fest, dass der Preis für eine Tafel nie mehr als 100 Pfennig oder Cent gekostet hat. Das war nach dem zweiten Weltkrieg, als der Großvater Kind war, genauso wie es heute nach der Währungsumstellung auf €uro ist. Allerdings beweist der Preis für eine 100-Gramm-Tafel auch die Behauptung, dass der €uro ein Teuro ist, denn der Umrechnungskurs betrug 0,51119 €uro für eine D-Mark. Demnach blieb für den Einzelhandel entsprechend viel "Luft nach oben".

Trotzdem bleibt es ein erstaunliches Phänomen im deutschen Einzelhandel. Schließlich betrug die Inflationsrate laut Statistischem Bundesamt in der Zeit von 1950 bis 31. Dezember 2001- dem Tag der Währungsumstellung - ganze 322 Prozent. Demnach müßte theoretisch die 100-Gramm-Tafel Schokolade DM 4,22 oder über €uro 2,15 kosten. Sie kostet aber deutlich unter € 1,-- und ist damit die stabilste Währung der Welt.

Das Geheimnis dafür ist der sogenannte "Schwellenpreis", das ist ein Betrag über €1,--bzw. 10,-- oder 100,--, der für Verbraucher etwas Abschreckendes hat. Erst ab einem bestimmten Preislevel wird eine Abrundung auf Cent unwichtig. So wird man Autopreise immer in vollen €urobeträgen angegeben finden.

Im Laufe der Jahre sind andere Nahrungsmittel wie zum Beispiel Milch, Kartoffeln, Brot oder Rindfleisch teurer geworden, was das Phänomen Schoko-Preis besonders hervorhebt.

Die Erklärung dafür ist das, was Experten ein "Ankerprodukt" nennen. Das sind Güter, von denen jedes Kind schon die Preise kennt und auf deren Höhe sich der Wettbewerb im Handel konzentriert. Würde nämlich ein Laden über diesen bekannten Preis gehen, fiele das den Kunden sofort auf und könnte sie so verärgern, dass sie in dem Geschäft nicht mehr einkaufen.

Die vorgenannten Aspekte können natürlich nicht auf fair gehandelte Schokolade zutreffen, weil hier ein hoher Qualitätsunterschied zu normalen Schokoladen besteht und die Preisgestaltung mit den Zielen des Fairen Handels unvereinbar ist.

Kritisch zu hinterfragen bleibt allerdings die kürzlich erfolgte Erhöhung der fair gehandelten Schokopreise deshalb, weil die Fair Handelshäuser mit dem Nachhaltigkeitsfaktor ihrer langfristigen Lieferverträge und mit ihrer Unabhängigkeit von den Kakaobörsen argumentieren. Hier zeigt sich, dass auch Fair Handelshäuser Wirtschaftsunternehmen sind.

Das Ärgernis der Schwellenpreise, das auch bei fair gehandelten Produkten völlig überflüssigerweise existiert, haben wir im Wasserburger Weltladen erst gar nicht eingeführt. Ankerprodukte sind für uns kein Kriterium, Kunden zu finden und zu binden. Bei uns kostet die Schokolade ehrliche € 1,50 oder 1,80.

Jochen Schreiber

Quelle: Süddeutsche Zeitung


 

Schmutzige Schokolade

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Schokolade is(s)t in aller Munde, aber es ist ein süßes Vergnügen mit einem bitteren Beigeschmack. Weltweit werden 3 Millionen Tonnen, in Europa allein 1,5 Millionen Tonnen - das sind 15 Milliarden Tafeln Schokolade verzehrt. Jeder Deutsche isst durchschnittlich 11 Kilo. Doch die meisten Menschen denken nicht darüber nach, unter welchen Bedingungen die Inhaltsstoffe bekannter Markenschokoladen hergestellt werden. Klar ist, wer diese Süßigkeit in Nicht-Bio-Qualität kauft, unterstützt möglicherweise die Massentierhaltung, denn die Milch für diese Industrieware muß so billig wie möglich hergestellt werden. Außerdem und vor allem bedeutet es Ausbeutung von Menschen in den Anbauländern, wenn der Kakao nicht fair gehandelt wurde.

Zu diesem brisanten Thema hat der investigative dänische Journalist Miki Mistrati einen Dokumentarfilm gedreht, der vor kurzem in der ARD gezeigt wurde.

"Ein Kind kostet 230 €URO". Der Kakaobauer aus der Elfenbeinküste sagt das, als ob Kinderhandel das Normalste der Welt wäre. "Wenn ihr meinem Bruder sagt, wie viele ihr braucht, dann besorgt er sie euch". Der Mann spricht über Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren, die aus Burkina Faso, Niger und Mali verschleppt werden, um auf den Plantagen der Elfenbeinküste als Sklaven zu arbeiten. Dieser Preis wird von den Plantagenbesitzern gezahlt, daran partizipieren Busfahrer und Schlepper, einen geringen Teil bekommen auch meist die Eltern dieser Kinder, wenn diese nicht gleich entführt werden. Mehr als 200.000 dieser 10-15jährigen Kinder arbeiten auf Afrikas Kakaoplantagen und werden unbegrenzt ausgebeutet.

Die Dokumentation zeigt nun, dass die Schokoladenindustrie Kinderhandel und ausbeuterische Kinderarbeit zumindest duldet, denn sonst müßten die Hersteller mehr dagegen unternehmen. Hilfsorganisationen verdächtigen die Schokoladenindustrie schon länger, von Kinderarbeit in Afrika zu profitieren und damit Straftaten zu verschleiern.

In seinem Film ist Mistrati diesem Verdacht nachgegangen, mit seinem Kameramann nach Westafrika gereist, nach Mali und an die Elfenbeinküste, dem weltgrößten Produzenten von Kakaobohnen. Eine gefährliche Reise, denn erst vor kurzem wurde dort ein Journalist bei einer ähnlichen Recherche entführt und ist bis heute verschwunden. Deshalb drehte er oft mit versteckter Kamera, führte aber auch offen Gespräche mit Menschen, die wissen müßten, was vorgeht.

So sprach er mit dem größten Kakao-Exporteur der Elfenbeinküste und mit einem Staatssekretär, der zuständig für den Kampf gegen Kinderhandel ist. Beide bestanden darauf, dass es keinen Kinderhandel und keine Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen gäbe. Mistrati beweist das Gegenteil. Mit Hilfe Einheimischer fand er geflohene Opfer. Er ging auf 17 verschiedene Plantagen und überall fand er kleine Kinder bei der Arbeit. Er traf einen Polizisten von Interpol, der gerade eine Razzia geleitet hatte, bei der 65 Kinder befreit wurden, die als Sklaven arbeiten mußten.

Textfeld:        Zurück in Europa wollte Mistrati die Schokoladenindustrie mit seinen entlarvenden Beweisen konfrontieren, doch die Reaktion war ernüchternd. Keine der Firmen, die er kontaktierte, war bereit, seine Beweise anzusehen. Es erging lediglich eine Stellungnahme des Verbands-Sprechers. Seine Argumentation, die an Zynismus nicht zu überbieten ist.:" Die Plantagen sind nicht im Besitz der Firmen, also sind diese nicht verantwortlich für die Vorgänge dort."

Hoffentlich hilft diese eindrucksvolle und erschütternde Dokumentation, die Ausbeutung von Kindern zu unterbinden.

Deshalb mein Appell: Bitte kauft nur noch Schokolade mit Fair Trade Siegel- es gibt sie auch in Weltläden. Das Konsumverhalten der Menschen ist eine nicht zu überbietende Macht und Boykott ist die beste Möglichkeit, um diesen Sumpf auszutrocknen.

Jochen Schreiber

Quelle: Spiegel, ARD, NDR

http://web.ard.de/themenwoche_2010/?p=1567

www.suedwind-institut.de

www.thedarksideofchocolate.org

 

Rückblick

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Mitgliederversammlung

Am Freitag, den 19. November trafen sich Mitglieder und MitarbeiterInnen zur Mitgliederversammlung in der Brauereigaststätte Forsting.

Hier berichtet gerade Stefan Huber von den Finanzen. Vorher stellten alle, die für einen Bereich verantwortlich sind, den aktuellen Stand vor. Danach änderten wir die Satzung in einem Detail.

Peter Kammerl


 

Neuester Stand AGRO-GENTECHNIK

Weiter "Genmilch" von Müller

Verfassungsklage von Greenpeace hatte Erfolg - und andere Geschichten. 

1.    Greenpeace hat sich vor Gericht gegen die Molkerei Müller durchgesetzt und darf den Begriff Gen-Milch weiter verwenden. Die Molkerei verwendet Milch von Kühen, an die gentechnisch veränderte Pflanzen verfüttert wurden. Nach mehreren Instanzen entschied nun das Bundesverfassungsgericht, dass die Verwendung des Begriffs rechtens ist, weil im Produktions-Prozess nicht auf gentechnische Verfahren verzichtet wird.

2.    In Deutschland gibt es - Stand 22. Oktober 2010- bereits 235 gentechnikfreie Regionen. Bayern ist mit 93 einsame Spitze, gefolgt von Baden-Württemberg mit 48. Es folgen Hessen mit 25, Nordrhein-Westfalen mit 23. Mit großem Abstand liegen Niedersachsen mit 15 Regionen, Mecklenburg-Vorpommern mit vierzehn und Brandenburg / Berlin mit elf. Auf den mittleren Plätzen. Sachsen und Rheinland-Pfalz bringen es auf je drei gentechnikfreie Gebiete, im Saarland, in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein gibt es bisher noch keine einzige.

Textfeld:    Region für Region: Europa soll gentechnik-frei werden und es bleiben.  3.    Mit einem Beschluß vom 04.November 2010 will die Europäische Kommission Spuren von Gentechnik im Futter tolerieren. Am 15. November soll dieser Vorschlag von den Mitgliedsstaaten beraten werden. Bisher gilt für in der EU nicht zugelassene genmodifizierte Organismen die Nulltoleranz.

 

 

 

 

 

 

Textfeld:    Greenpeace ist bekannt für ihre eindrucks-vollen Protestformen.  4.    Nach einer Studie des Bundesforschungsministeriums schrumpft die Agro-Gentechnik in Deutschland. Die Erlöse der Biotech-Unternehmen haben in den Jahren 2008 bis 2009 um zehn Millionen Euro auf 39 Mill. abgenommen. Die "typische" Konsequenz des Ministeriums von Annette Schavan: Es steckt weitere Millionen in die umstrittene Technologie.

5.    In Berlin fanden im Jahr 2009 Aktionstage gegen den Filz in der Gentechnik statt. Unter anderem gab es eine symbolische Kletteraktion vor dem Julius-Kühn-Institut in Berlin- Dahlem. Das JKI ist an der Prüfung und Zulassung neuer Gentechnikpflanzen beteiligt. Eine an der Aktion beteiligte Aktivistin stand nun am 05.Oktober 2010 in Berlin vor Gericht wegen Hausfriedensbruch und wurde zu 150 Stunden sozialer Arbeit verurteilt. "Im JKI sitzen die Konzerne zusammen und bescheinigen sich gegenseitig die Unbedenklichkeit ihrer hochgefährlichen Versuche", so die Angeklagte.

6.    Erst vor wenigen Tagen wurde erneut eine fragwürdige Verflechtung von Genehmigungsgremien und Lobbyismus im Bereich der Gentechnik bekannt. Die Chefin der Europäischen Zulassungsbehörde EFSA Banati arbeitet gleichzeitig im International Life Sciences Institut- einer Lobbyorganisation der Gentechnikkonzerne Syngenta, BASF und Monsanto. In Gießen sitzt der kritische Journalist Jörg Bergstedt eine sechsmonatige Haftstrafe ab, weil er ein 10 Quadratmeter großes Feld Gengerste zerstört hatte. So werden GegnerInnen der Gentechnik kriminalisiert, obwohl 80% der Menschen in Deutschland Gentechnik ablehnen. Eine Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace ergab: 79% der Befragten sprachen sich für ein weiteres Gentechnik-Mais-Verbot aus. 77% waren auch für ein Verbot des Anbaus der Gentechnik-Kartoffel Amflora.

Textfeld:    Der Protest hört nicht auf. Aufruf zu einer Demo.  7.    Das verunreinigte Mais-Saatgut, das im Frühjahr bei stichprobenartigen Untersuchungen gefunden wurde, ist in sieben Bundesländern ausgesät worden. Wie Greenpeace aufdeckte, hat das zuständige Landwirtschaftsministerium nicht dafür gesorgt, dass das Saatgut vom Markt verschwindet. Es wurde auf 3.000 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern, Baden- Württemberg, Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen ausgesät. Baden-Württemberg verweigert jede Information, obwohl dort rund 90 Landwirte mit insgesamt 640 Hektar Land vom Saatgut-Skandal betroffen sind.

8.    Zum Schluß noch eine positive Meldung: In Mecklenburg-Vorpommern wird die Verbreitung der Amflora-Kartoffel verboten. Dies ist nach dem Anbauverbot der Genmaissorte MON 810 der zweite Rückschlag für gentechnisch veränderte Pflanzen. Der Hintergrund ist, dass in Schweden auf Amflora-Feldern Pflanzen der noch nicht zugelassenen BASF-Genkartoffel Amadea gefunden wurden. Die Vermischung der Sorten liefert den Gegnern der Gentechnik neue Argumente, zumal BASF die Ursache der Vermischung nicht nennen kann. Die Expertin von Greenpeace sagte: "BASF kann gentechnisch manipulierte Pflanzen offenbar nicht kontrollieren". Es sei beunruhigend, dass ein derart großes Unternehmen keine bessere Qualitätssicherung habe. Durch diesen Vorfall wird die Problematik bestätigt, die in der Koexistenz beim Anbau von gentechnisch veränderten und nicht veränderten Pflanzen besteht.

Jochen Schreiber

Quellen: SZ. www.zivilcourage.ro, gentechfilz, Informationsdienst Gentechnik, greenpeace

Zum Weiterlesen:

www.keine-gentechnik.de

www.gentechnikfreie-regionen.de

www.greenpeace.de/themen/gentechnik

www.zivilcourage.ro

www.umweltinstitut.org

 


 

Weltläden am Scheideweg

Weltläden abgehängt von der Sympathiewelle für Bio-Öko-Fair?

Das manchmal bescheidene Outfit in einigen weniger erfolgreichen Weltläden, die ja alle ehrenamtlich geführt werden, ist zwar vertrauensbildend für Insider, weil es eben den Non-Profit-Charakter unterstreicht, aber es könnte auf andere – vielleicht jüngere, nicht gut informierte Käuferschichten – etwas veraltet wirken.

Textfeld:    Hier findet Fairer Handel statt. Und wir sind mit unserem Ladenkonzept zufrieden und erfolgreich.  Die tatsächliche Weltoffenheit zeigt sich nur in den Produkten und im Geist, der hier weht. Die offene Weltsicht ohne Vorurteile und ohne Grenzen teilt sich dem Besucher auf den ersten Blick nicht mit. Er muss schon nachfragen und nachdenken, um die wirkliche Weltoffenheit ohne Handelsschranken zu entdecken.

Heute scheint es, als ob die Verkaufsstrategie der Weltläden am Scheideweg angekommen ist. Die Frage lautet heute: Ist der moderne Kunde noch bereit, äußerliche Bescheidenheit zu akzeptieren und sogar mit einem höheren Preis zu honorieren, wenn es um faire Produkte geht - oder müssen sich die Weltläden von heute dem allgemeinen Trend zu ausgeklügelten Verkaufsstrategien und einer Verkaufspsychologie beugen?

Viele Leute aus der Weltladen-Szene schätzen das einfache Outfit der meisten Läden – als Garant für die Non-Profit-Einstellung der Betreiber. Als Gegenbewegung gegen den Professionalisierungstrend könnte es als Retro-Attitude sogar attraktiv und modern sein. Es wirkt vor allem ehrlich und vertrauenswürdig, das ist ein wichtiger Vorteil.

Die fairen Handelshäuser wie Gepa und El Puente scheinen sich aber gerade weiter zu professionalisieren, zu sehen an den teuren Hochglanzprospekten, den vielfältigen Verkaufskampagnen, z.B. an aufwendigen Kaffee-Aktionen und den vielfältigen Internetauftritten. Man beliefert jetzt auch die großen Diskounter und das vermutlich zu einem günstigeren Tarif als die Weltläden.

Es besteht eine große Diskrepanz zwischen den Werbeetats der Fair-Handelshäuser und den ehrenamtlichen Weltladenbetreibern und ihren Helfern. Die müssen sich fragen, ob sie jetzt auch dem Trend folgen wollen und expandieren oder ob sie so weitermachen wie bisher als Weltladen-Idealisten mit gutem Gewissen und bescheidenem Umsatz.

Wir glauben, wer in Weltläden einkauft, der wäre eher abgeschreckt von zu viel Verkaufsstrategie. Der sucht die schlichte Ehrlichkeit.

Annette Wodraschke


 

Enormer Aufschwung im Fairen Handel

Vom Nischendasein zur Fair-Handels-Branche

Grundsatzaufsatz von Dr. Markus Raschke

Textfeld:    Dr. Markus Raschke

 

 

 

 

 

 

Dr. Markus Raschke, Vorstandsmitglied im FAIR Handelshaus Bayern in Haimhausen, befasst sich in der jüngsten Ausgabe von der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ mit dem konfliktreichen Übergang vom Nischendasein der Fairen Handels zu einer „Fair-Handels-Branche“. Sein Artikel trägt den Titel „Fairer Handel am Scheideweg?“

Textfeld:    www.forum-fairer-handel.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

airer Handel versteht sich als „Alternativansatz zum herrschenden Welthandelssystem und will durch Förderung von Kleinproduzenten in Entwicklungsländern mehr Gerechtigkeit in der Weltwirtschaft herstellen.“ Raschke stellt fest, dass seit den Anfängen 1970 bis 2000 dieser Handel auf eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Nische beschränkt war. Er sieht derzeit den Übergang vom Nischendasein zu einer „Fair-Handels-Branche“. Das kündigte sich schon 1992 an, als mit dem unabhängigen TransFair-Produktsiegel der Zugang zum Massenmarkt eröffnet wurde.

Zwei Ebenen bestimmen die Fair-Handels-Bewegung: Information und Bewusstseinsbildung auf der einen, und Handel und Verkauf auf der anderen Seite. Raschke stellt auch eine Zweigleisigkeit in den Organisationsstrukturen fest: er nennt sie „Bewegungsorganisationen“ ( das sind Siegelinitiativen, Basisgruppen und Importfirmen) und „mobilisierte Organisationen“ ( das sind kirchliche Hilfswerke und Jugendverbände). Für ihn bildet die Zweigleisigkeit Konfliktstoff, die „Konfliktfalle“, sie ist aber gleichzeitig auch die Grundlage der erreichten „gesellschaftlichen Verwurzelung“.

Raschke sieht als Hauptkonfliktstoff, der die Geschichte der Fair Handelsbewegung durchzieht, die spannungsgeladene internen Debatte über die richtige Solidarität. Zum Beispiel das richtige Verhältnis von Bildung und Verkauf oder die politische Korrektheit der Zusammenarbeit mit den Discountern in den 90er Jahren. Der Konflikt zwischen Bildungsauftrag und Handelsausweitung ist seiner Meinung nach unauflösbar. Außerdem meint er, dass die deutschen Weltläden inzwischen den neuen globalisierungskritischen Netzwerken wie z.B. attac das Feld für gesellschaftskritische Debatten - wenn auch unbeabsichtigt – überlassen haben. Denn er sieht eine zunehmende Umsatz- und Verkaufsorientierung in der Fair Handelsszene.

Der Weg in den Massenmarkt erfordere Kompromisse, und einen konsequenten Wachstumsimpetus, die „weite Kreise der Bewegung nur mit Zähneknirschen“ eingehen können. Das Anliegen, aus der eigenen Markt- und Gesellschaftsnische auszubrechen, ist seiner Ansicht nach „Wunsch und Wehe“ zugleich, weil sie eine Kooperation mit den Discountern mit sich bringt, die ja für Ungerechtigkeitssituationen verantwortlich gemacht werden. Darin artikuliere sich aber auch eine Sehnsucht nach Anerkennung.

Textfeld:    Fairer Handel kommt aus einer Bewe-gung geht nicht ohne Bewegung  Die Fair Handelsbewegung solle ihre Wurzeln nicht vergessen: sie war „eine Solidaritätsaktion, aus der heraus sich Vertriebs- und Importfirmen, Siegelmarken und Weltläden entwickelten.“ Zu ihr gehört untrennbar ihre Pluralität. Das bedeutet – so Raschke – die „Öffnung der Idee über angestammte Milieus hinaus“.

An der Schwelle zu einer Fair-Handels-Branche muss man auch die Rolle des Ehrenamtes neu überdenken. Nach Raschke wird sich in Zukunft eine Fair-Handels-Branche entwickeln, in der zunehmend Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen möchten. Das dürfte sicher für die Umsatz und Absatzsteigerungen im Interesse der Produzenten sorgen. Schließlich ergibt eine Studie von 2009, dass es noch ein großes unerreichtes Käuferpotential gibt. Dazu kommt wachsende gesellschaftliche Akzeptanz, Steigerung der öffentlichen Aufmerksamkeit und dadurch ein wachsender Veränderungsdruck auf die Bewegung.

Negative Folgen des Wachstums bekommen die kleinen Produzenten schon zu spüren: sie haben Angst an den wachsenden Anforderungen zu scheitern, die sich nach den Wünschen der zahlungskräftigen Vermarkter richten. Kleine Organisationen könnten an den Rand gedrängt werden.

Für Raschke muss in Zukunft eine Fair Handels-Branche unbedingt hinsichtlich der Gerechtigkeitswirkungen ihres Wirtschaftens von der Fair Handels-Bewegung kritisch begleitet und kontrolliert werden.

Annette Wodraschke

Quelle: Stimmen der Zeit: Dr. Markus Raschke: Fairer Handel am Scheideweg?

Zum Weiterlesen:

www.stimmen-der-zeit.de

www.gepa.de


 

Überraschende Erkenntnis

Weltladen und Forstinger Brauerei sind Verwandte im Fairen Geiste

Textfeld:    ... und Peter Kammerl bedankt sich mit einem Fairen Korb.  Textfeld:    Georg Lettl erklärt die Forstinger Brauerei ...

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf unübersichtlichen Märkten kämpfen kleine Erzeugergenossenschaften ums Überleben und einen fairen Preis für ihre Produkte. Die Idee vom gerechten Preis für den kleinen Produzenten  gibt es im Wasserburger Umland schon seit 1916, als schlaue Bauern die Brauereigenossenschaft Gut Forsting gründeten. Diese Parallele zur Weltladenidee war für die rund 35 Teilnehmer der Jahreshauptversammlung des Wasserburger Weltladens am 19. November  doch eher überraschend. Vorstandsmitglied Betriebswirt  Georg Lettl schilderte den unfairen Verdrängungswettbewerb auf dem globalisierten Biermarkt, der für viele Betriebe schon verloren ist. Die kleine Genossenschaftsbrauerei hat zwar überlebt, aber sie kämpft weiter um Marktanteile. Deswegen hatte sie die Initiative Eine Welt eingeladen, um sich und ihre Produkte vorzustellen. Es war ein rundum gelungenes Event: Interessante Führung, leckeres Bier, gutes Essen und eine positive Jahresbilanz. Zum Dank für die Einladung überreichte Peter Kammerl eine Tasche voll Weltladen Geschenke.

Annette Wodraschke

www.brauerei-gut-forsting.de

Kontakt – Namen und Telefonnummern

AK Schaufenster und Gestaltung

Elke Pfeiffer

08071/94.725

PfeifferElkeHans@googlemail.com

Öffentlichkeitsarbeit

Roswitha Betz-Heindl

08071/103.824

rosi.betz@gmx.de

Verkäufereinteilung

Katharina Pichler

08074/504

kathi.pichler@gmx.de

Bazare

Elisabeth Wirtz

08055/8133

Elisabeth.wirtz@gmx.de

Finanzen

Stefan Huber

08076/88.63.51

killerlanguste@web.de

AK Einkauf

Ruth Schumann

08071/59.79.84

Ruth_schumann@web.de

Vorstand

Peter Kammerl

08076/88.69.89

peter.kammerl@ebe-online.de

Vorstand

Katharina Pichler

08074/504

kathi.pichler@gmx.de

Vorstand

Jochen Schreiber

08071/50.870

Jochenschreiber1@t-online.de

Info-Brief

Jochen Schreiber

08071/50.870

Jochenschreiber1@t-online.de

Info-Brief

Annette Wodraschke

08071/50.870

Wodraschke@gmx.de

Warenannahme

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08074/17.66.30

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08071/5779

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